In den letzten zehn bis 15 Jahren habe ich mir relativ wenig Gedanken über meinen digitalen Fingerabdruck gemacht. Meine Meinung habe ich immer frei geäußert und mir wenig Gedanken über die Folgen gemacht.
Die aktuelle politische Situation bringt mich allerdings zum Nachdenken.
Nicht, dass ich es geplant hätte, aber aktuell ist eine Einreise für mich in die Vereinigten Staaten nicht möglich. Ich habe so viele kritische Äußerungen über die aktuelle Administration getätigt, dass man mich an der Grenze sicher zurückweisen würde.
Wir leben halt in einer Zeit, in der alle nach freier Meinungsäußerung schreien und das Ende der freien Meinungsäußerung an die Wand malen, allerdings damit nur ihre eigene Meinung meinen. Gegenüber Meinungen, die dem eigenen Weltbild nicht entsprechen, ist man äußerst dünnhäutig.
Kommen wir zurück zum digitalen Fingerabdruck. Ich finde es extrem kompliziert und schwierig, zwischen Sicherheit und Komfort die richtige Balance zu finden. Für viele meiner Aktivitäten außerhalb meines beruflichen Kontexts habe ich zum Beispiel eine Gmail-Adresse benutzt. Damit habe ich bestimmte Accounts registriert, mich zu Newslettern angemeldet, meinen GitHub-Account erstellt und vieles andere mehr. Mit diesen Informationen kann sich Google sicherlich ein hervorragendes Bild über meine Person machen. Füttert man damit eine KI, bin ich mir ganz sicher, dass diese sehr gute Voraussagen darüber treffen könnte, was ich in einer bestimmten Situation oder zu einem bestimmten Sachverhalt denke und fühle.
In Bezug auf meine persönliche Sicherheit war das sicherlich nicht besonders schlau. Allerdings war es sehr komfortabel, und es wurde mir auch einfach gemacht. Ich konnte mich ganz einfach bei gewissen Diensten anmelden, mit ein, zwei Klicks die Gmail-Adresse verwenden, und schon war alles erledigt.
Die Frage, die sich jetzt stellt, ist: Was ist denn jetzt die Alternative zur Nutzung von Gmail, GMX oder einem anderen Anbieter?
Wichtig wäre, dass der Anbieter zumindest IMAP unterstützt, sodass ich meinen Workflow beibehalten könnte. Darüber hinaus sollte der Dienst DSGVO-konform sein. Die Luft wird dann schon relativ dünn. Anbieter wie ProtonMail fallen zum Beispiel raus bzw. die Nutzung ist kompliziert. Neben Self-Hosting und der Nutzung eines normalen Hosting-Anbieters bleibt von den Anbietern noch Mailbox.org übrig.
Der beste Kompromiss in Bezug auf Aufwand und Nutzen erscheint mir aktuell aber die Nutzung eines Hosting-Anbieters, den ich sowieso schon benutze, der in Deutschland sitzt und zu dem ich auch ein gewisses Vertrauen aufgebaut habe. Zum Self-Hosting wäre ich zwar technisch in der Lage; allerdings ist es ein großer Aufwand, einen eigenen Mailserver zu betreiben. Und Mailbox.org erscheint mir aktuell auch nur ein Weg zu sein, der wieder in eine andere Abhängigkeit führt.
Das heißt, die Aufgabe ist klar: Ich werde nun alle meine Accounts, Services und so weiter, die ich mit meinem Gmail-Account und meiner E-Mail-Adresse registriert habe, auf eine eigene E-Mail-Adresse umziehen. Es wird nun einige Zeit dauern. Ich bin mir aber sicher, dass ich damit meine Unabhängigkeit erhöhen kann.